Nachhilfe

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Bao Bao; Großer Panda; Ailuropoda melanoleuca (David, 1869); Skelett, Präparation Ralf Bonke
Foto: Hwa Ja Götz, Musem für Naturkunde Berlin

Die assistierte Liebe

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Als Bao Bao im Jahr 1991 zu Zuchtzwecken in London gastierte, biss er - statt seinen männlichen Pflichten nachzukommen - der dortigen Panda-Dame Ming Ming ein Ohr ab. An Yan Yan hatte er auch kein sexuelles Interesse. Exzentrischer Einzelfall? Nein! Mittlerweile ist bekannt: Nur etwa 28% der Pandas in Menschenobhut zeugen überhaupt Nachkommen auf natürlichem Wege. In Europa hat dies bisher nur der Zoo in Wien geschafft. Aber ohne Nachwuchs keine Zukunft. Um den Arterhalt zu sichern, verhelfen daher Reproduktionsexperten den Tieren mit künstlicher Besamung zu ihrem Liebesglück. Die erste erfolgreiche Besamung glückte dem Bejing Zoo bereits 1978 - damals steckte die Forschung aber noch in den Kinderschuhen. Heute sind die Methoden ausgefeilt: Urintests geben Aufschluss über Hormonspiegel und Zyklus der Weibchen, Tiertrainer bereiten sie auf Besamung und Ultraschall vor. Das Sperma männlicher Tiere wird per Elektrostimulation gewonnen und direkt eingesetzt oder für spätere Anwendungen eingefroren. In tiefgekühlten Samenbanken – wie dem "Kryo-Zoo" des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung - hält sich Erbgut über hundert Jahre und kann nach Bedarf eingesetzt werden. Das vermeidet nicht nur Ohr-Verluste, sondern ermöglicht den Austausch von genetischem Material zwischen Zoos weltweit ohne dass die Tiere selbst reisen müssen.

Sex Tourismus 2.0

Schlägt die Hormonkurve des Panda Weibchens im Zoo Edinburgh aus, klingelt in Berlin und Chengdu gleichzeitig das Telefon. Ein chinesischer Verhaltensexperte aus der Zuchtstation in China und ein Reproduktionsexperte aus dem Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW) machen sich auf den Weg – beide im Auftrag der assistierten Liebe. Eile ist geboten, denn das Zeitfenster für eine erfolgreiche Befruchtung ist klein. Verpasst man es, heißt es ein Jahr warten. Deshalb verlassen sich die Spezialisten auch nicht auf die männlichen Tiere vor Ort. Immer im Gepäck ist Erbgut auf Reserve: Das Sperma von Bao Bao. Das lagert am IZW. Tiefgefroren.

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. April 2015 um 11:30 Uhr geändert. Die Inhalte sind Veröffentlichungen des Museum für Naturkunde Berlin. Texte und Bilder sind unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern der Bilder und/oder Medien können durch Anklicken dieser abgerufen werden. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.